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Europarat: Fifa & “good governance” im Fussball

(Beitrag zur Debatte um die Resolution “Good football governance”, Anne Brasseur)

Der Sport im Allgemeinen und besonders der Fußball sind einzigartig in ihrer Eignung, Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Schichten, Kulturen, Sprachen und Glaubensrichtungen zu verbinden. Neben dieser Fähigkeit, wünschen wir uns alle, dass der Sport für Emotionen und Spannung sorgt und dass sowohl Fair Play als auch Teamgeist an oberster Stelle stehen.

Doch leider ist dem nicht immer so.

Der Sport im Allgemeinen und auch hier besonders der Fußball sind zu einem Milliardengeschäft geworden, das nicht mehr alleine seinen allgemeinen Werten unterliegt sondern vor allem den knallharten und unerbittlichen Gesetzen der Marktwirtschaft.

Und es ergeht dem Sport damit nicht anders als der Politik: Die Versuchung ist groß, sich einen Vorteil zu verschaffen, ob durch die Manipulation von Sportwetten, dem Gebrauch von Dopingmitteln, der Vergabe von Austragungsorten oder das Besetzen von gut bezahlten Spitzenfunktionen.

Deshalb muss für den Sport das gelten was auch für die Politik gilt: Integrität, Aufrichtigkeit, Transparenz und nicht zuletzt: Glaubwürdigkeit.

Dafür braucht es klare Regeln, nicht nur auf dem Spielfeld sondern auch hinter den Kulissen, in den Verbänden.

Im Vorfeld der heutigen Diskussion haben wir intensives Lobbying von Seiten der FIFA und Kritik am vorliegenden Bericht von Frau Brasseur erlebt. Allerdings ist dieser Bericht ist meiner Ansicht nach ein ausgewogener und nuancierter Bericht. Fortschritte werden durchaus gewürdigt. Doch es besteht die berechtigte Befürchtung, dass die Reformen auf halbem Wege stecken bleiben, sobald der politische Druck und die öffentliche Aufmerksamkeit nachlassen.

Ich unterstütze die Aussage von Frau Brasseur vorbehaltslos, dass der Fußballsport nicht über dem Gesetz steht. Das gilt ebenso für alle anderen Sportarten. Die extrem hohen Geldeinnahmen verdankt der Fußballsport seiner enormen öffentlichen Aufmerksamkeit. Damit kommt den Verbänden jedoch eine besondere Verantwortung zu. Der Fußballsport vermittelt Werte und hat eine Vorbildfunktion, die über das korrekte Verwalten von Geldern hinausgehen.

In der Vergangenheit war leider zu oft das Gegenteil der Fall. Die Liste der Skandale ist lang und das Image des Fußballs dauerhaft beschädigt. FIFA und UEFA waren Teil dieses Problems. In Zukunft müssen sie Teil der Lösung sein. Statt ihre Energie weiterhin darauf zu verwenden, kritische Stimmen zu unterdrücken, sollten die Verbände sich ausschließlich darauf konzentrieren, die positiven Reformen, die gemacht wurden, in die Praxis umzusetzen.

Kritische Anmerkungen im Bericht von Frau Brasseur sollten Anlass geben, weitere Anstrengungen auf dem beschrittenen Weg zu machen. Besonders wichtig sind wirklich unabhängige Organe zur Überwachung interner Vorgänge. Eine zu große Machtkonzentration in wenigen Händen muss verhindert werden, ebenso wie die politische Einflussnahme auf wichtige Entscheidungen, wie zum Beispiel die Wahl der Austragungsorte für große Events.

Auf dem Spiel steht nicht nur das Image einer populären Sportart, sondern auch das Vertrauen in die Politik.

Es gibt deshalb ein berechtigtes politisches Interesse an einer „good governance“ bei den internationalen Fußballverbänden und internationalen Sportverbänden im Allgemeinen.

 

 

http://assembly.coe.int/nw/xml/News/News-View-EN.asp?newsid=6937&lang=2&cat=8

(abgelegt beim table office, Strasbourg 24.1.2018)

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