Leben im fünftbesten Land der Welt
Fast unbemerkt in Luxemburg, wurde in diesem Sommer die NEWSWEEK-Vergleichsstudie « The World’s best Countries » veröffentlicht. In seiner Studie wollte das renommierte amerikanische Magazin „Newsweek“ feststellen, in welchem Land der Welt es sich am besten wohnt und lebt. Dabei wurde eine Antwort auf die einfache Frage gesucht: Welches Land bietet einem heute Geborenen die beste Möglichkeit für ein sicheres und gesundes Leben in relativ guten Verhältnissen? Zu diesem Zweck wurden einhundert Länder anhand von fünf Kriterien, Bildung, Gesundheit, Lebensqualität, Wirtschaftsdynamik und politische Verhältnisse, analysiert. Um „the best“ herauszufinden, bedarf es natürlich immer irgendeiner subjektiven Beurteilung, dennoch sind die von NEWSWEEK ausgewählten Kriterien aufschlussreich (auch, wenn ich persönlich mehr Wert auf die Faktoren Umwelt und Klimaschutz gelegt hätte).
Kaum verwunderlich, dass ich auf diese Nachricht bei unserem jährlichen Familienurlaub in Finnland stieß, schließlich rangiert die nordische Republik bei diesem Gesamtvergleich an erster Stelle. Besonders gut schnitten die Nordländer in den Bereichen Bildung (1. Platz) und Lebensqualität (4. Platz) ab.
Natürlich wollte ich auch umgehend herausfinden, wo sich denn das kleine Luxemburg in dieser Tabelle befindet, hoffend, dass wir nicht, wie so oft, in diesen Studien angesichts unserer „Größe“ einfach vergessen werden(1). Doch ich sollte nicht enttäuscht werden: Platz 5 für Luxemburg hinter Finnland, der Schweiz, Schweden und Australien. Zwar belegen wir in keiner der fünf bewerteten Kategorien den 1. Platz, trotzdem rangieren wir, mit Ausnahme der Kategorie Bildung, in allen Bereichen unter den Besten.
Ja sogar in der Kategorie „Economic Dynamism“ landet Luxemburg auf dem ehrenwerten 9. Platz, vor den USA, Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich und vielen anderen bedeutenden Industrienationen. Keine Anzeichen einer fallenden Wettbewerbsfähigkeit oder eines erlahmenden Wirtschaftswachstums. Auch der Mythos der langatmigen administrativen Prozeduren für eine Unternehmensgründung in Luxemburg wurde nicht bestätigt: Mit durchschnittlich 24 Tagen liegen wir immer noch im Spitzenfeld. Auch die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung (über 10 Jahre hinaus) wird von den Analysten als vielversprechend gesehen.
Sollte es uns am Ende doch besser gehen, als es die Unternehmerverbände und deren politischer Arm seit Monaten predigen? Sollten am Ende etwa die Gewerkschaften Recht behalten, die diese ständige Unstimmung der Arbeitgeber kritisieren?
Die NEWSWEEK Veröffentlichung bestätigt nämlich in einzelnen Punkten das, was die Chambre des Salariés und die Gewerkschaften immer wieder betonen: dass es „den zu diesem Zeitpunkt bekannten Wirtschaftsdaten zufolge und angesichts der niedrigen Inflation nämlich keinen dringenden Handlungsbedarf in Sachen Wirtschaftskompetitivität“ gibt.
Nun sollte man dieser Vergleichstudie keinen übertriebenen Wert beimessen, denn sie hat sicherlich nicht alle Aspekte der Wirtschaft im Detail analysiert. Doch alleine die hochkarätige Besetzung ihres Koordinationsteams (2) lässt darauf schließen, dass hier ernsthafte Arbeit geleistet wurde.
Wenn nun im Herbst, wie angekündigt, die Tripartite erneut über den Index und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft beraten wird, dann täten die Akteure am Tisch gut daran sich zu erinnern, dass wir trotz aller bestehenden Problemen den internationalen Vergleich nicht scheuen brauchen, schließlich leben wir im fünftbesten Land der Welt …
Auch sollten sie sich vor Augen halten, dass nicht alleine die Kompetitivität zu unserem Wohlergehen beiträgt, denn die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dient in erster Linie dazu, die Taschen der Unternehmer und der Manager zu füllen. Die Menschen jedoch, allen voran die Arbeitnehmer, bedürfen weitaus mehr, um glücklich zu sein. Hiermit tut sich die Politik schwer, denn das Glücklichsein kann man nur schwer mit einem „Index“ messen…
Die Macher der NEWSWEEK-Untersuchung haben dennoch eine interessante Methodik entwickelt, um wichtige Faktoren für das Wohlergehen der Menschen zu sammeln. Ein Blick auf die Forschungsweise und die Resultate lohnt sich allemal, nicht nur für Politiker:
http://www.newsweek.com/feature/2010/the-world-s-best-countries.html
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(1). Des Öfteren taucht Luxemburg in internationalen Vergleichsstudien nicht auf, da unsere Verwaltungen es (absichtlich?) versäumen, das benötigte statistische Material zusammenzustellen.
(2) die Arbeiten wurden koordiniert vom Nobelpreisträger Professor Joseph E. Stiglitz, den McKinsey-Direktoren Byron Auguste und James Manyika sowie mehreren renommierten Universitätsprofessoren.








