REVUE: Von Bascharage nach Lappland
Die junge Frau will Finnland die nächsten fünf Jahre im Europaparlament vertreten. Deshalb führt Petra Paasilinna aus Niederkerschen Wahlkampf vom finnischen Meerbusen bis nach Lappland.
Vor zwei Monaten hat Petra Paasilinna ihr Haus in Bascharage verlassen, um mit dem zweieinhalbjährigen Sohn Lukas und Töchterchen Vera (18 Monate) nach Helsinki zu fliegen. Bei den Großeltern sind die beiden Kleinen gut aufgehoben, während die junge Mutter Wahlkampf macht. Sie ist im Flugzeug und mit der Eisenbahn unterwegs – vom Süden bis in den hohen Norden – in einem Land, das flächenmäßig fast so groß ist wie Deutschland, das aber nur 5,3 Millionen Einwohner zählt. Wie mühsam muss der Kampf um Stimmen sein, wenn auf einem Quadratkilometer nur 15,6 Menschen wohnen… Ihren Mann hat Petra in Luxemburg zurückgelassen, denn auch er ist auf Stimmenfang: Yves Cruchten ist Kandidat auf der Südliste der LSAP für die Parlamentswahlen.
Mit erst 34 Jahren hat die junge Finnin schon eine lange berufliche und politische Vita aufzuweisen. Erste Berufserfahrung sammelte sie nach ihrem Studium in Japanologie und Kommunikation 1999, als sie eine Stelle im Sekretariat der sozialistischen EP-Fraktion antrat. Immerhin spricht sie englisch, französisch, russisch, japanisch, schwedisch, deutsch, spanisch – und luxemburgisch. Denn 2001 lernte sie auf einem Kongress der europäischen Jungsozialisten Yves Cruchten kennen. Bald zog sie nach Luxemburg, studierte und dozierte in Metz, arbeitete bei SES Global, trat später in den diplomatischen Dienst ein. Nach der Geburt von Lukas Ende 2006 unterbrach sie ihre berufliche Laufbahn.
Ihre politische Karriere begann 1997, als sie knapp 22-jährig für die sozialdemokratische Partei in den Stadtrat von Helsinki gewählt wurde. Das Mandat gab sie 2002 wieder ab, doch jetzt will sie eines der 14 finnischen Mandate im Europaparlament erobern. Die finnischen Sozialdemokraten haben derzeit drei EU-Mandate, einer ihrer Abgeordneten ist Reino Paasilinna, Petras Vater. Der 69-Jährige hat beschlossen, nachdem er es vor seiner politischen Karriere als Journalist bis zum Generaldirektor der staatlichen Rundfunkanstalt gebracht hatte, in den Ruhestand zu treten. Über die Grenzen Finnlands hinaus bekannt ist auch ihr Onkel Arto, einer der populärsten Schriftsteller seines Landes, der als Meister des skurrilen Humors bezeichnet wird.
Allein der Name Paasilinna sorgt also dafür, dass Petra echte Chancen auf ein EU-Mandat hat. Das finnische Wahlsystem verlangt von den einzelnen Kandidaten vollen Einsatz. Das ganze Land ist ein Bezirk, es gibt keine Wahllisten, jeder Wähler verfügt über eine einzige Stimme und jeder Kandidat ist auf sich allein gestellt. Die Herausforderung besteht also darin, möglichst vielen Bürgern klar zu machen, dass man der Beste und Einzige ist. Deshalb ist Petra seit zwei Monaten unermüdlich unterwegs. In Anzeigen kündigt sie an, wann sie wo sein wird. Mit 20 Wahlhelfern steht sie dann in Fußgängerzonen und an öffentlichen Plätzen und diskutiert mit den Bürgern.
Politische Beobachter würden es schon als Erfolg werten, wenn am 7. Juni die Hälfte der Wahlberechtigten zur Urne schreiten würde. Vielleicht gelingt es Petra Cruchten-Paasilinna aus Niederkerschen am besten, die europäische Idee zu vermitteln: weil sie und ihre Familie Europa im Alltag vorleben. (ARTIKEL AUS DER REVUE 2.6.2009)








